Die Gestaltungsmittel der Kunst

Jeder Mensch nimmt ein Bild auf eine andere, sehr subjektive Art und Weise wahr. Und jeder Künstler verwendet nicht wenig Zeit darauf, für jedes neue Bild das passende Gestaltungsmittel zu finden. Es muss mit dem Motiv harmonieren, soll die Stimmungen des Künstlers wiedergeben und das Dargestellte in einen interessanten, sehenswerten Kontext setzen.

Die Gestaltungsmittel werden auch gern mit der Bildkomposition verwechselt. Aber Bildkomposition ist etwas ganz anderes, einen Artikel darüber findest Du >> hier.

Von Michelangelo ist folgendes Zitat überliefert: “Ein Künstler malt mit seinem Gehirn, nicht mit seinen Händen”.

Diese Worte sagen alles. Du musst einiges Basiswissen haben, um gute Bilder zu kreieren. Mit Talent hat das nichts zu tun.

Die verschiedenen Elemente der Kunst zu kennen und sie in eigenen Kompositionen anzuwenden ist der erste Schritt auf dem Weg zum guten Künstler.

Gute Gemälde oder Zeichnungen sind niemals Zufall. Sondern sie sind das Resultat intelligenter Entscheidungen, basierend auf Grundlagenwissen.

Aber welche Gestaltungsmittel der Kunst gibt es nun?

1. Die Linie

Eine Linie ist ein rotierender Punkt. Sie ist das älteste Element der Kunst, und vielleicht sogar das wichtigste.

In der freien Natur existieren Linien nicht. (Richte den Blick kurz auf vom Computer und schau die Dinge auf Deinem Schreibtisch an: keines davon hat an den Außenkanten Linien. Achte darauf, wenn Du malst oder zeichnest: soll es ein realistisches Bild werden, dann verzichte auf die “Außenbalken”.)

Linien unterscheiden sich. Sie können dick und dünn sein, dunkel, schnell, behutsam, durchgehend oder gebrochen. Sie zeigen, sie trennen, sie verbinden, sie manipulieren und umgeben. Linien variieren in der Breite, Länge, Richtung, Farbe, und dem Grad der Kurve. Sie können auch zweidimensional sein.

Es gibt Künstler, deren Hauptgestaltungsmittel die Linie ist, hier z. B. ein Bild von Matisse.

2. Tonwerte

Tonwerte erzeugen Dimension und Plastizität. Sie schaffen Licht und Schatten im Bild, auch Nähe und Ferne.Sucht man ein anderes Wort für Tonwerte, dann wäre “Helligkeitsabstufungen” der geeignete Begriff.

Jeder Tonwert entspricht auch einem Grauwert. Diese Grauwerte lassen sich ermitteln, indem man ein Farbfoto in ein Schwarz-Weiß-Bild umwandelt.

In der realistischen Malerei werden oftmals starke Tonwertabstufungen verwendet: von sehr hell bis sehr dunkel. Hier seht Ihr ein Bild von mir, an dem das sehr deutlich wird. 

Die Chiaroscuro-Malerei beruht einzig und allein auf extremen Hell-Dunkel-Werten.

In der modernen Malerei werden dagegen oft sehr bunte Farben eingesetzt, die wenig Tonwertabstufungen besitzen.

3. Form

Formen werden genau wie auch Farben mit bestimmten abstrakten Eigenschaften assoziiert. Diese resultieren aus unseren Seherfahrungen. Runde Formen werden zum Beispiel mit Weiblichem verbunden, mit Weichheit, Sphärischem, Verletzlichem, Emotionalem, eckige oder quadratische Formen eher mit Hartem, Männlichem, Rationalem.

4. Raum

Die Darstellung von Raum und Räumlichkeit beruht in der Bildgestaltung immer auf einer optischen Täuschung, denn auf der Leinwand bzw. dem Papier stehen grundsätzlich nur zwei Dimensionen zur Verfügung: Breite und Höhe.Um Raum zu simulieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Die Perspektive wäre ein gebräuchliches Mittel. Auch Farben können Räumlichkeit erzeugen.
Denke z. B. an Landschaftsmalerei: alles, was in der Ferne liegt, wird blass, verschwommen und bläulich dargestellt, der Baum in Vordergrund jedoch in allen Details und mit ausgewogenen Kontrasten.

5. Bewegung

Soll das Bild in sich ruhen wie z.B. bei einem Stillleben? Oder soll es Kraft ausstrahlen, Bewegung gar?

Dynamik wie auch Statik können in folgende Ordnungsprinzipien unterteilt werden: Reihung, Ballung, Gruppierung, Streuung, Symmetrie, Asymmetrie, Struktur, Schwerpunkt und Kontraste.

6. Textur

Textur nennt man in der Bildenden Kunst auch visuelle Textur. Sie vermittelt die Illusion darüber, wie ein Gegenstand sich anfühlen würde, wenn man ihn tatsächlich berühren könnte. Gerade in der realistischen Malerei spielen Texturen eine sehr große Rolle.

7. Farbe

Farbe hat eine tiefgreifende Wirkung auf uns, auch wenn wir uns dessen oft nicht bewusst sind. Jeden Tag werden unsere Gefühle, Stimmungen, mentale Klarheit und sogar unsere körperlichen Empfindungen von den Farben, die uns umgeben, beeinflusst.

Versuche einmal, selbst herauszufinden, welche Farben für welche Emotionen verwandt werden können. Und dann setze sie bewusst ein auf Deinen Bildern:
1. Wut
2. Traurigkeit
3. Aufregung
4. Angst
5. Liebe
6. Freude
7. Leichtigkeit

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