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1 Leinwand, 18 x 24 cm
Ölfarbe: Titanweiß, Umbra gebrannt, Umbra natur, Sepia, Elfenbeinschwarz, Lichter Ocker
Malmittel
1 breiten Pinsel
1 feinen Pinsel
Liquin
Aquarellschwämmchen
Terpentin

Wir malen einen Spatz

Einen Spatz hatten wir ja schon. Aber nun ist es ja so: nur weil man irgendwas irgendwann mal gemalt hat, heisst es nicht, dass man es nun schon kann. Normalerweise muss man sein "Objekt" studieren, wieder und wieder. In verschiedenen Haltungen, in anderen Lichtverhältnissen etc.

Diesen kleinen Kerl hier habe ich für eine Ausstellung gemalt, die Arbeitsschritte habe ich für Dich festgehalten.

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 6

Bild 7

Bild 8

Bild 9

Bild 1
So ein kleiner Vogel ist ein recht detailreiches Kerlchen. In sochen Fällen ist es immer gut, wenn man einen sehr glatten Untergrund verwendet. Das kann Porträtlinnen sein, oder aber eine MDF-Platte u.ä.

Wenn Du beides nicht zur Hand hast, dann empfehle ich Dir, Deine Leinwand sehr, sehr gut zu grundieren und zu schleifen, bis die Óberfläche schön glatt ist.

Aber fangen wir jetzt an.

Auf Bild 1 ist von dem Vögelchen überhaupt noch nichts zu sehen, da habe ich erst mal eine dünne Schicht Ölfarbe aufgebracht. Ich verwende ein farbiges Grau, gemischt aus Schwarz, Weiß und Gebrannter Umbra. Je nachdem, wieviel Umbra man beimischt, wird das Grau warm oder bleibt es kalt. Die sieht noch nicht so schön aus, aber das macht nichts. Gut trocknen lassen. 

Auf Bild 2
...sieht man, dass noch eine 2. Schicht Farbe dazugekommen ist. Die habe ich ebenfalls gut trocknen lassen, und danach den Sperling mit weißem Aquarellstift skizziert. 

Bild 3
Fange immer mit dem Hintergrund an. So kriegst Du eher eine Vorstellung davon, wo die Reise hingeht, das heisst, welche Stimmung auf Deinem Bild herrscht. Du siehst, ich habe den Hintergrund noch etwas abgedunkelt. 

Bild 4

Wenn es Dir schwer fällt, die Orientierung zu behalten - welche Feder wohin? - dann empfehle ich Dir, male nur ein Stück von dem Vogel. Und am nächsten Tag wieder ein Stück. Auf diese Weise geht man jeden Tag mit einem frischen Blick an sein kleines Bild. 
Die Farben für das braune Federkleid sind Gebrannte Umbra, Sepia, Lichter Ocker und Weiß. Und auch wenn Dein Gehirn Dir sagt, der Kleine hat einen weißen Bauch... nein! Der ist nicht weiß. Für den Bauch mischst Du Dir ein helles Grau aus Weiß, Schwarz und Gebrannter Umbra. 

Wenn es Dir schwerfällt, die einzeelnen Federn zu malen, dann ist entweder Dein Pinsel zu breit oder Deine Farbe zu fest. Falls dem so sein sollte, dann mische etwas Liquin unter die Farbe, das erhöht die Fließfähigkeit der Farbe enorm.

Bild 5
Ich bin einen Tag weiter, während ich die restlichen Federn male, arbeite ich auch schon an den Details. Der Kopf ist nun rund geworden - kannst Du es sehen? Das Gesicht muss bei mir immer als erstes fertig sein, denn wenn das nicht klappt, dann klappt das ganze Bild nicht. Und ich bin niemand, der immer und immer wieder verbessert, das geht meistens nicht gut - in solchen Fällen schmeiße ich mein Bild in die Tonne.

Bild 6
Noch einen Tag weiter. Die restlichen Federn und den Schwanz gemalt. Und dabei festgestellt, dass mein Hintergrund zu langweilig ist. Um das zu ändern, habe ich ein kleines Aquarellschwämmchen mit Farbe benetzt und das Schwämmchen auf mein Bild getupft. Wenn Du das noch nie gemacht hast, dann solltest Du das erst mal auf einer separaten Leinwand ausprobieren, damit Du ein Gefühl dafür entwickelst, wieviel oder wie wenig Farbe ðu benötigst, um zu dem gewünschten Resultat zu kommen. Das Schwämmchen sollte trocken sein, und auch Deine Farbe nicht zu flüssig.

Bild 7
Ich möchte gern den oberen Bereich meines Bildes noch ein wenig abdunkeln - auch damit die Struktur, die ich mit dem Schwamm aufgetragen habe, , etwas in den Hintergrund tritt. Dadurch erreicht man Tiefe (Hintergrund etwas verschwommen, Vordergrund schärfer, das kennst Du vielleicht auch aus der Fotografie). 
Dazu habe ich mein Bild trocknen lassen und es dann gut mit Malmittel eingerieben. Als nächstes den Farbton gemischt (wieder ein bräunliches Grau) und diese Farbe auf mein Bild gestrichen. 

Bild 8
Das sieht ziemlich rummelig aus, aber wenn Du jetzt einen Lasurpinsel nimmst und die Farbe gut vermalst, dann wird alles schick.

Bild 9
Ich habe als erstes den gesamten Hintergrund mit sehr flüssigem (mit Liquin versetztem) Lichten Ocker übermalt. So dünn, dass man die unterliegenden Farbschichten noch gut sehen kann. Damit kriegt das Bild eine sonnigere, wärmere Ausstrahlung. Und dann nochmals die Federn besser ausgearbeitet. Zum Schluss die Füße.

Wenn Du so weit gekommen bist, dann überprüfe Dein Bild ein letztes Mal: Verlaufen all Deine Federn tatsächlich in Wuchsrichtung? Ist das Köpfchen rund? Der Bauch auch? Dann ist alles gut.

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