Das Künstler-Statement

"Warum sollte ich ein Künstler-Statement schreiben? Es nervt… Wenn ich das Bedürfnis hätte, mich mit Worten auszudrücken, dann wäre ich Schriftsteller geworden. Warum können sich Leute nicht einfach meine Arbeiten anschauen und selbst herausfinden, was sie beeinhalten?"

Solche und ähnliche Sätze hört man von Künstlern immer wieder.

Künstler-Statements sind unerläßlich. Leider. Oder vielleicht zum Glück, je nachdem, aus welcher Position man die Sache betrachtet.

Du musst kein Schriftsteller sein, um ein Statement zu schreiben. Und die Menschen werden sich trotzdem Deine Bilder anschauen und versuchen, sie zu interpretieren und zu erfühlen.

In einem Statement geht es um Fakten, um eine Basis-Einführung in Dein Werk sozusagen. Es soll keine Instruktion sein, wie man sich Deinen Bildern zu nähern hat, was man denken soll, welche Gefühle ausgelöst werden sollen, was man beim Anblick Deiner Bilder tun und wo man stehen sollte. Auf diesem Planeten kommunizieren die Menschen mit Worten. Betrachte also Dein Statement als eine gesprochene (oder geschriebene) Kurz-Variante Deiner Arbeiten.

Menschen, die mit Deinen Bildern in Berührung kommen, haben oft Fragen. Wenn Du gerade in der Nähe bist: prima! Dann wird man Dich natürlich persönlich ansprechen. Wenn Du aber nicht da bist, dann sollte ein gutes Statement die drängendsten Fragen beantworten.

Jeder Künstler wünscht sich ein großes, interessiertes Publikum und Menschen, die seine Arbeiten schätzen. Ein gutes Künstler-Statement arbeitet in diese Richtung, und der wichtigste Bestandteil ist seine Sprache. Schreib Dein Statement in einer Sprache, die jeder versteht. Keine Sprache, die nur Du verstehst, keine Sprache, gedacht für Deine Freunde, keine Sprache, die man an Kunstschulen spricht, sondern schreibe in Alltagssprache.

Ein gutes Statement holt die Menschen ab und führt sie sensibel hin zur Kunst; unabhängig davon, wie viel oder wie wenig diese Menschen über Kunst im Allgemeinen und Deine Kunst im Speziellen wissen. Schließe niemanden aus.

Diejenigen, die Deine Aussagen lesen und darauf brennen, mehr über Deine technischen, metaphysischen, philosophischen, persönlichen, emotionalen, moralischen, gesellschaftlich relevanten, historischen, umweltverträglichen, politischen, autobiographischen oder anekdotischen Motive und Sinnbilder zu erfahren, werden Dich ganz sicher selbst kontaktieren und versuchen, mit Dir in irgendeiner Art ins Gespräch zu kommen.

Vergleiche Dein Statement mit einem Klappentext in einem Buch; schreib für Menschen, die mögen, was sie sehen und mehr erfahren möchten. Schreibe nicht für Menschen, die Deine Kunst ohnehin schon kennen. Fasse Dich kurz. In 3 – 5 Sätzen kann man alle grundlegenden Fragen beantworten.

Kleine Anregung:

- Was macht Deine Kunst besonders?
- Was inspiriert Dich?
- Was soll Deine Kunst bedeuten?
- Was bedeutet Kunst für Dich persönlich?

Schmettere mit Deinem Text keine Leute ab, sondern mach sie neugierig. Neugierig auf mehr.

Menschen haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Weniger ist hier mehr.

Schreibe Dir Fragen auf, die Dir von Galeristen oder bei Ausstellungseröffnungen gestellt werden. Taucht die gleiche Frage mehrmals auf, dann beantworte sie auch in Deinem Statement.

Sprich über das, was Deine Kunst ist, und nicht über das, was sie sein soll.

Personalisiere Dein Statement. Schreib über Dich in der ersten Person.

Vermeide Vergleiche oder wertende Kommentare, die über Deine Kunst durch Dritte wie Galeristen, Kritiker, Sammler oder Kuratoren geäußert wurden. Diese gehören in Deinen CV.

Und zum Schluss: Wenn Du nun Dein Statement geschrieben hast, dann lege es Freunden und Bekannten vor. Vielleicht auch Menschen, die (fast) nichts über Dich wissen. Frag Sie um eine ehrliche Meinung.

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