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Ein Auge in Perspektive zeichnen

Um Porträts gut und treffsicher zu zeichnen/zu malen, muss man mit dem Auge sehr gut vertraut sein. Man sollte es nicht nur frontal zeichnen können wie in der vorangegangenen Lektion, sondern auch in allen möglichen Perspektiven.

Aus diesem Grund wirkt die Kunst der alten Ägypter auf uns so seltsam – in den alten Fresken und Gemälden haben die Augen stets eine falsche Perspektive.

Es ist ganz sicher nicht verkehrt, anatomische Studien zu betreiben. Wenn man die Anatomie gut beherrscht, dann sollte man in der Lage sein, ein menschliches Gesicht mit allem, was dazu gehört, in jeder Position korrekt zeichnen/malen zu können. 

Verschiedene Perspektiven

Ich gebe zu, das ist nicht wirklich meine Stärke.

Stattdessen helfe ich mir mit moderner Technik, die heutzutage zum Glück für jeden Künstler verfügbar ist. Nämlich hochauflösende Fotos, so groß wie möglich. Da kann man jeden Millimeter eingehend studieren – viel besser als man das je mit einem lebenden Modell tun könnte.

Aus diesem Grund möchte hier auch nicht weiter auf die Anatomie des Kopfes eingehen.
Zeichne, zeichne, zeichne. Um ein realistisches Auge zu zeichnen, musst Du es einfach “in die Finger kriegen”, wie man hier in Holland sagt. Lege Dir ein Fotoarchiv an mit Augen in den verschiedensten Blickrichtungen und Perspektiven, und zeichne sie immer wieder.

Verschiedene Lebensalter

Suche Dir auch ein Modell, an dem Du verschiedene Perspektiven ausprobieren kannst. Das kann Dein/e Liebste/r sein, Dein Kind, Deine Eltern oder Großeltern.

Studiere die einzelnen Teile des Auges. Die Iris z.B. besteht nicht aus einer einzigen Farbe, sondern hat helle und dunkle Streifen und Flecke und ist dunkel an ihren Außenrändern.

Achte darauf, wie sich die Highlights und Reflektionen verändern, wenn Dein Modell in einem dunklen Raum steht. Oder in der prallen Sonne.

Wie sich die Linien verändern, wenn Dein Modell den Kopf hebt, ihn senkt oder zur Seite dreht.

Welchen Einfluss das Lebensalter auf die Form des Auges hat. Oben siehst Du eine Zeichnung mit 1. Kinderaugen 2. den Augen eines Mannes im mittleren Alter und 3. ein altes Auge.

Der Unterschied zwischen gut und großartig

Wenn Du Dir realistisch gezeichnete Porträts anschaust, dann gibt es Porträts, die sind atemberaubend und verschlagen Dir die Sprache. Und es gibt solche, wo Du denkst: Na ja, ich erkenne mit etwas Phantasie die dargestellte Person.

Der Qualitätsunterschied liegt in den dargestellten Details. Je besser und präziser die sind, desto besser sind Deine Zeichnungen.

Wenn Du ein wirklich guter Zeichner werden willst, dann musst Du vor allem mit Geduld gesegnet sein. Und mit Akkuratesse wenn es darum geht, die allerkleinsten Tonwertabstufungen zu zeichnen. 

Für hyperrealistische Zeichnungen gibt es keine Zaubertricks, sondern nur sehr, sehr aufmerksamens Beobachten und äußerst präzises Arbeiten.

Die Sache mit der Symmetrie

Ich habe in meinen Zeichenklassen schon Leute erlebt, die symmetrische Ovale als Basisform des Auges gezeichnet haben, weil sie glaubten, eine Gesichtshälfte spiegele die andere. Aber Du weisst ja, menschliche Gesichter sind nie symetrisch, und die Augen sind es natürlich auch nicht.

Nutze die Pupille als Orientierungspunkt und dann ergründe sehr aufmerksam die Form des Auges auf der einen, dann auf der anderen Seite.

Emotionen

Ganz wichtiges Kapitel.

Gefühle verändern das Aussehen der Augen sehr drastisch.

Achte darauf, wie sich die Augenbrauen heben oder senken, wenn jemand lacht oder weint. Wie sich die Hautpartien um die Augen verändern – welche Falten oder Fältchen entstehen. Sind die Augen groß und aufgerissen (z.B. bei Angst), groß und rund (bei Erstaunen) oder zusammengekniffen (beim Lachen)?

Professionelle Modelle trainieren sich ein Lachen an, das die Augen nicht erreicht, aber normale Menschen wie ich und Du – bei uns wirkt sich ein Lachen im gesamten Gesicht aus.

Schauen die Augen freundlich, gleichgültig, traurig, glücklich, abweisend oder böse?

Zeichnung Brita Seifert

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