Für diese Zeichnung brauchst Du

  • Bristol-Papier
  • Faber Castell Bleistifte HB, 2B, 4B, 6B, 8B
  • Estompen
  • Radierstift
  • Klarlack matt oder Fixativ
  • Grafitpuder
  • Knetgummi
  • PAN Pastel Neutral Grey Shade Extra dunkel

Ein (halbes) Porträt mit Bleistift

Bild 1
Wenn Du noch nie oder nur selten ein Porträt gezeichnet hast, dann ist diese Übung gut für Dich.

Ein halbes Porträt oder ein Vollporträt mit geschlossenen Augen – Du musst langsam beginnen und Dich nicht überfordern.

Auf Bild 1 siehst Du meine Vorzeichnung. Dafür habe ich einen Bleistift HB verwendet. Achte bitte darauf, dass Du beim Vorzeichnen nur ganz zarte Linien machst - falls sich irgendwo ein Fehler einschleicht, sollte man ihn auch noch ausradieren können, ohne dass Spuren auf dem Papier zurückbleiben.

Bild 1

Bild 2

Bild 3 und 4

Bei Bild 3 kommt nun zum ersten Mal der Bleistift zum Einsatz. Mit einem Bleistift 2B arbeite ich einzelne Strähnen grob aus und verwische sie (in Wuchsrichtung der Haare) mit einem Estompen. 

Die Highlights werden mit einem Knetgummi angelegt - ich forme ihn so, dass er eine schöne Spitze hat und radiere damit das überschüssige Grafit weg. Das funktioniert allerdings nur, weil ich die Zeichnung nicht zwischendurch  fixiere .

Auf Bild 4 arbeite ich nun die Haarstruktur besser aus. In den hellen Bereichen mit einem Bleistift 2B, und in den dunklen Bereichen verwende ich 4 B.

Achte darauf, dass Du Deine Schatten am Anfang nicht zu dunkel machst. Diese Zeichnung wird in Ebenen (Schichten) aufgebaut, eine Schicht über die andere. Nur so erhält sie ihren realistischen Charakter. Einzelne Bereiche kann am Ende noch abdunkeln. Es wird Dir aber nicht gelingen, zu dunkle Bereiche später wieder aufzuhellen.

Bild 2

Bevor ich Texturen (also Oberflächendetails) anlege, verpasse ich meiner Zeichnung erst mal Tonwerte. Also eine Festlegung: wo ist der Schatten? Wo ist das Licht?

Die Details arbeite ich später aus.

Natürlich kann man die Tonwerte mit einem Bleistift anlegen. Das ist allerdings ziemlich zeitaufwändig. Daher kürze ich diesen ganzen Prozess ab und verwende Grafitpuder. Mit einem nicht zu kleinen Pinsel trage ich die Schattenbereiche auf. 

Achtung! Das ist eine ziemlich staubige Angelegenheit! Der Staub setzt sich auf Deine Hände und Dein Papier. Puste den Staub gut von Deinem Papier oder fege ihn mit einem weichen Pinsel ab.

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 5

Auf Bild 5 habe ich die Arbeitsschritte von Bild 4 wiederholt. 
Für die Schattenbereiche verwende ich nun allerdings einen Bleistift 6B. Und für die Highlights meinen Radierstift. 

Bild 6

Bild 6

Die Haare werfen etwas Schatten auf die Stirn. 

Diesen Schatten habe ich mit meinem 2B-Bleistift gezeichnet und mit dem Estompen verwischt.

Bild 7 und 8

Haut - auch bei jungen Frauen - ist niemals ganz glatt. Es gibt Falten und Fältchen, Poren und Sommersprossen etc.

Je realistischer Du die Beschaffenheit der Haut wiedergeben kannst, desto großartiger werden Deine Zeichnungen sein. Dem "Rendering" der Haut werde ich noch andere Tutorials widmen, für heute wollen wir es simpel halten und uns auf das Notwendigste beschränken.

Auf Bild 7 schaffe ich mit einer linearen Schraffur die Basis für die Fältchen. Bleistift: 2B.
Auf Bild 8 habe ich diese Schraffur mit dem Estompen verwischt, aber nicht komplett, denn ein paar dieser Fältchen sollen ja noch zu sehen sein. 

Bild 9

Bild 10

Bild 7

Bild 8

Bild 9 und 10

Auf Bild 9 habe ich die Arbeitsschritte von Bild 7 und 8 wiederholt, nun aber mit einem Bleistift 4 B. Und auch die Augenbraue ist nun angelegt.

Auf Bild 10 siehst Du, wie das Auge aussieht, wenn noch eine dritte Schicht angelegt wird, nun aber mit Bleistift 6 B.

Außerdem habe ich mit meinem Radierstift einige Bereiche wieder aufgehellt, die zu dunkel geraten waren. Die Fältchen kann man nun gut erkennen.

Ich kann es nicht oft genug sagen: solange Du mit Deinem Radierstift arbeitest, darfst Du Deine Zeichnung nicht fixieren. Das ist auch der Grund, warum ich von oben nach unten und von links nach rechts arbeite - damit ich nicht mit meiner Hand auf bereits fertigen Teilen der Zeichnung liege. 

Bild 11

Bild 11

Für die Struktur der Haut verwende ich jetzt die Zirkular-Schraffur. Auch nach dem Verwischen mit dem Estompen bleibt etwas von der Schraffur erhalten und gibt der Haut ein realistischeres Aussehen.

Bild 12

Bild 12

Hier eine Großaufnahme. Sorry für die schlechte Qualität. 
So ungefähr muss die Schraffur aussehen. Und dann wird sie mit dem Estompen (auch in kreisförmiger Bewegung) verwischt.

Wenn Du bis hierhin gekommen bist, dann hast Du nun alle Techniken kennengelernt, die ich in dieser Zeichnung angewendet habe. Versuche, das Gesicht allein weiterzuzeichnen. Die einzelnen Arbeitsschritte siehst Du hier unten.

Ist es Dir gelungen? Glückwunsch! Der Rest ist nun ein Kinderspiel.

Den Hals legst Du genauso an wie das Gesicht. Und die Haare? Genau das gleiche Prinzip wie die Haare links auf der Zeichnung. Also 3 Schichten. 

Wenn Du die Haare zeichnest: Studiere, wie die Haare fallen und versuche, Deine Bleistiftstriche an die Fallrichtung anzupassen. Sonst wirkt es schnell unnatürlich. 

Hier auf diesem Bild siehst Du die erste Schicht - die wirkt immer ein wenig rummelig. Je mehr Schichten aufgetragen werden, desto dichter werden die Haare und umso schöner wird das Ergebnis. 

Und meine Dame bekommt einen dunklen Hintergrund. Ich finde, das verleiht dem Bild mehr Tiefe.

Für den Hintergrund trage ich PAN Pastel mit einem Pinsel auf. Man kann auch einen kleinen Schwamm nehmen, ich persönlich finde das Arbeiten mit Pinseln feiner. 
Auf diese Weise komme ich sehr schnell zum gewünschten Ergebnis. Allerdings muss ich dann, wenn meine Zeichnung fertig ist und fixiert wurde, noch eine Schicht Graphitpuder auftragen. Pan Pastel verleiht dem Papier eine matte Oberfläche, Graphit hingegen glänzt etwas. Durch das Überpinseln mit Grafit wird die Zeichnung wieder zu einem homgenen Ganzen, alle Bereiche der Zeichnung passen zueinander.

Und damit sind wir nun schon am Ende angelangt.

Ich habe mit meinem Bleistift 8 B die Schatten und dunklen Bereiche noch verstärkt.

Die Nasenspitze, die Unterlippe und die rechte Seite der Haare wurden mit Knetgummi und Radierstift aufgehellt. 

Beim Zeichnen ist es wie mit vielen anderen Dingen im Leben: man muss ein bisschen Geduld haben. 

Nicht schnell, schnell, schnell ein Resultat haben wollen, sondern sich Zeit nehmen, jeden Schritt gut bedenken und die Zeichnung Schicht für Schicht entwickeln und vertiefen.

Eigentlich muss man sich in den kreativen Prozess verlieben, nicht in das Resultat.

Viel Spass beim Nachzeichnen.

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